II. Murphy und Jeany

Kapitel 1 - Ein neues Familienmitglied
Kapitel 2 - Regeln
Kapitel 3 - Murphy ist ein Junghund
Kapitel 4 - Jeany wird krank
Kapitel 5 - Murphy findet jemanden
Kapitel 6 - Lisa
Kapitel 7 - Das Geschenk
Kapitel 8 - Jeany muss gehen

1. Ein neues Familienmitglied
„Hallo, mein Kleiner, aufwachen! Du bist zu Hause!“
Der Dackeljunge war noch ganz benommen. Er hatte, zusammengerollt auf Frauchens Schoss, fest geschlafen und wachte davon auf, dass sie ihn an der Nase kitzelte.
„Hatschi“, unwillkürlich musste er niesen und weil er sowieso wach war kratzte er sich erst einmal ausgiebig hinter dem Ohr. Dann schüttelte er sich und schaute unternehmungslustig um sich.
A-ha, hier wohnte also sein neues Rudel.
Alan, der größere der beiden Menschen, schloss die Eingangstür auf. Behutsam wurde Murphy auf dem Boden abgesetzt. Vorsichtig steckte er erst einmal die Nase durch die Tür. Es duftete vielver-sprechend, fast wie seine Mutter gerochen hatte.
„Mama“, wisperte der kleine Dackel, doch er bekam keine Antwort. So ging er mit seinen Menschen in das Haus.
„Jeany“, rief die Frau. „Jeany, komm doch mal her. Schau, wen wir mitgebracht haben!“
Es raschelte im Korridor. Eine grauhaarige Dackeldame lugte um die Ecke und musterte den Welpen misstrauisch.
„Hallo“, sagte Murphy und tapste auf sie zu. Er schnüffelte vorsichtig an ihr. Sie roch nicht ganz wie seine Mutter, aber trotzdem sehr vertraut. Auch das Dackelweibchen schnüffelte an ihm, verzog aber angewidert die Nase und schnappte zu. Erschrocken lief Murphy zu seinen Menschen und versteckte sich hinter ihnen.
Die Frau ging in die Hocke. Sie streichelte die Hündin und redete begütigend auf sie ein. „Das geht aber nicht, Jeany! Murphy gehört jetzt zu uns und du wirst dich an ihn gewöhnen müssen! Übrigens bist du jetzt nicht mehr allein, wenn ich arbeiten gehe. Das ist doch schön!“
Jeany ließ ein dumpfes Grollen hören, drehte sich aber auf den Rücken und ließ sich dem Bauch kraulen.
„Mach dir keine Sorgen, Alice“, sagte der Mann zu seiner Frau. „Sie wird sich schon an den Kleinen gewöhnen.“
Die schaute ihn zweifelnd an. „Na, das hoffe ich sehr!“
Ich glaube, wir sollten uns gar nicht zu sehr einmischen“, meinte er weiter. „Das regelt sich besser von selbst.“
So stand die Frau auf und das Pärchen ging in die Küche. Vorsichtshalber schloss Murphy sich ihnen an.
Nach einer Weile gesellte sich auch Jeany zu ihnen. Wieder musterte sie den Dackeljungen von oben bis unten.
„So, so, du gehörst jetzt auch zu uns?“ knurrte sie. „Wie heißt du überhaupt?“
„Murphy!“
„Ja, das habe ich schon gehört! Aber wie heißt du weiter?“ kam es ungeduldig zurück.
Murphy überlegte. „Ich heiße nicht weiter“, stellte er fest. „Nur Murphy.“
Jetzt rümpfte die Dackeldame ihre Nase. „So, so. Nur Murphy, das habe ich gleich gerochen. Du hast also keinen Stammbaum?“
„Was ist das, ein Stammbaum?“ fragte Murphy neugierig. Die Baum-stämme, die er kannte, eigneten sich vorzüglich, um an ihnen das Bein zu heben. Doch von einem Stammbaum hatte er bis jetzt noch nichts gehört. „Mir ist zum Pipi machen jeder Baum recht!“ fügte er hinzu.
„Nun“, klärte Jeany ihn auf, während sie huldvoll die Augenbrauen hob, „ich bin von adeliger Herkunft. Mein voller Name lautet ‚Pini vom Modestübchen‘, doch mein Rudel darf mich Jeany nennen. Ich kann meine Vorfahren bis ins vierte Glied zurückverfolgen. Mein Großvater war ein großer Fuchstöter. Sein Name lautete ‚Waldmann von Halili‘.“
„Oh“, Murphy war beeindruckt. „Ich kenne nur meine Mutter und meine Geschwister, aber ein böser Mensch hat uns getrennt.“ Er schluckte. „Jetzt habe ich nur noch euch.“
Jeany schaute ihn einen Augenblick an. „Na ja“, knurrte sie dann. „Für einen ohne Stammbaum riechst du gar nicht so schlecht. Hast du Hunger? Ich glaube, in meinem Futternapf ist noch ein Happen…“
