
Hier ein kurzer Einblick in mein erstes Buch:
Prolog
Da sitze ich also vor einer langen Liste von Namen und Daten. Das ist der Stammbaum der Familie Jollenbeck.
Der erste im Kirchenbuch eingetragene Jollenbeck hieß Johann-Heinrich. In seinem Fall gibt es keine weiteren Informationen. Von seinem Sohn Peter ist wenigstens bekannt, dass er 1742 geheiratet hat. Der Name seiner Frau ist ungewöhnlich ‚Caer Bley‘. Vielleicht war das eine französische Hugenottentochter auf der Flucht?
HALT Angie, geht es noch? Wie soll eine solche Person wohl nach Niederzissen gelangt sein?
Der Name wird wohl eher auf einen Schreibfehler des Ortsgeistlichen zurückzuführen sein, als auf eine wilde – romantische Liebesgeschichte.
Blaues Blut ist auch nicht in Sicht, nicht mal ein oller, versoffener Raubritter.
Beim Anschauen der vielen Namen überkommt mich eine seltsame Melancholie. Sie viel Leben, so viele Menschen, die gelacht, geliebt, gelitten und gestritten haben. Die ihr oft viel zu kurzes Leben mit jemandem geteilt haben. Die Kinder zeugten, groß zogen, vielleicht vorzeitig zu Grabe trugen. Die glücklich waren und sicher zuweilen traurig.
Was bleibt?
Ein trockener Eintrag im Kirchenregister: Geburt, Eheschließung, Tod.
Es wäre vermessen die komplette Familiengeschichte zu erzählen und so erzähle ich nur einen ganz kleinen Teil der Geschichte, die auch meine ist.

„Da kommen meine Eltern mit dem neuen Kind!“ Peter, der auf dem Hof spielte, war ganz aufgeregt. „Mama, zeig doch mal her! Und wie heißt die noch mal?“
„Dein Schwesterchen heißt Elisa, und wenn du sie sehen möchtest, dann musst du mit in die Wohnung kommen.“
„Och nö, da spiele ich lieber weiter.“ Peter fand die Schwester, die auch noch angefangen hatte wie am Spieß zu brüllen, hässlich und langweilig.
Da war das neue Kind also, aber was war nicht alles passiert: Kalle und Ilse mussten feststellen, dass sich der Obst- und Gemüsehandel nicht mehr rentierte. So hatten sie schweren Herzens das Geschäft aufgegeben.
Da auf der Kokerei dringend Arbeiter gesucht wurden, bewarb sich Kalle dort und bekam tatsächlich eine Anstellung als Anlagenfahrer. Diese Tätigkeit lag ihm zwar gar nicht, ernährte aber die Familie nicht schlecht. Man zog in eine Werkswohnung um, die aus einer Wohnküche und einem Schlafzimmer bestand. Die Räume waren groß, sodass Ilse, dem Modischen in jeder Beziehung nicht abgeneigt, im hinteren Teil der Küche zwei Cocktailsessel und einen Nierentisch unterbrachte. Das Ganze war zwar unbequem, aber modern. Die Toilette befand sich auf dem Flur und man musste sich den Raum mit den Nachbarn teilen.
Natürlich gab es kein Badezimmer. Gebadet wurde einmal in der Woche in einer großen Zinkbadewanne, die unten ganz nippelig war, sodass man nicht darin herumrutschen konnte, ohne sich den Podex aufzuschubbern. Zuerst ging der Hausherr in die Wanne, dann die Frau des Hauses und zuletzt die Kinder, die Kleinsten ganz zuletzt. Das Wasser wurde im großen Einkochkessel auf den Kohleherd erhitzt und dann vorsichtig umgeschüttet.
