This is Angie

The Descendants

Nach dem Roman „Mit deinen Augen“ von Kaui Hart Hemmings

Matt King, ein bekannter Anwalt und Geschäftsmann, der auf Hawaii lebt, steht vor der Entscheidung ein bisher unberührtes Stück Natur zu verkaufen. Da sich das Land in Familienbesitz befindet, wird er von seinen Cousins dazu gedrängt.
Für ihn stürzt eine Welt zusammen, als seine Frau nach einem Unfall ins Koma fällt. Nicht nur, dass Matt sich nun um seine pubertierenden Töchter kümmern muss, zu allem Überfluss erfährt er, dass seine Frau ihn seit Jahren betrügt und vor hatte ihn zu verlassen. Als ihm die Ärzte mitteilen, dass seine Frau sterben wird macht er sich mit den Töchtern auf den Weg den Liebhaber seiner Frau zu finden.

Mein Eindruck:

Der Film geht unter die Haut, denn hier ist eine unglaubliche Mischung gelungen. Die Bandbreite ist groß; erzählt über Traditionen, den Familienzusammenhalt und die Wurzeln, die wir alle haben. Hinzu kommt die herzzerreißende Geschichte vom Leben und Sterben, von großer Liebe, Verlust und Vergebung.

Doch der Film unterhält auch, ist bei aller Tragik witzig und voller Ironie. Der oft hilflose, tölpelhafte Vater, der nicht weiß, wie er mit seinen aufmüpfigen Töchtern umgehen soll, Sid, der scheinbar etwas doofe Freund der älteren Tochter und der Opa, welcher ihm ein blaues Auge verpasst. Doch auf den zweiten Blick ist Matt, der Familienvater durchaus lernfähig, Sid ein verletzter junger Mann und der Vater der verunglückten Ehefrau einfach hilflos und mit seiner demenzkranken Frau selbst überfordert.

Die Charaktere sind vielschichtig, es gibt durchaus Grauzonen, nichts ist schwarz oder weiß, den Figuren wird eine Widersprüchlichkeit zugestanden, die man nur selten im Kino findet.
Der Kinobesucher erlebt, wie alle mit den Herausforderungen wachsen, die Figuren mit ihrer ganzen Unvollkommenheit ihm ans Herz wachsen.
Wie Matt sich schließlich zu einer unbequemen Entscheidung, das Land der Familie betreffend, durchringt, wie er in Frieden von seiner Frau Abschied nimmt.

Trotzdem ist „The Descendants“ ein ruhiger Film mit wunderbaren Landschaftsbildern. Ein Film der schön, weise und unterhaltsam ist.


Anonymus

Queen Elisabeth I. regiert England seit Jahrzehnten und da sie unverheiratet geblieben ist, stellt sich die Fragen nach einem Nachfolger. Während Elisabeth sich nicht äußert, scheinbar ihren illegitimen Sohn bevorzugt, wird König James von Schottland von ihren engsten Beratern favorisiert.
Da sie das Theater liebt, verliebt sich die junge Königin in den Earl of Oxford, der ein begnadeter Stückeschreiber ist. Diese Liebe kann keinen Bestand haben, man trennt sich im Zorn. Elisabeth bekommt auch von diesem Mann ein Kind.
Oxford schreibt weiter heimlich Stücke, kann diese aber wegen seiner Stellung am Hof nicht veröffentlichen. Er heuert den Schauspieler William Shakespeare an um seine Stücke auf die Bühne bringen zu lassen. Bald ist Shakespeare berühmt und baut ein eigenes Theater.
Elisabeths intrigante Berater, Oxfords Widersacher, wollen hinter sein Geheimnis kommen.

Mein Eindruck:

Die Theorie, dass Shakespeare seine Stücke nicht selbst geschrieben hat ist wirklich nicht neu, beschäftigt immer wieder kluge Köpfe. Wahrscheinlich wird man nie zu einem befriedigen Ergebnis kommen, doch erhebt der Film keinen Anspruch auf Aufklärung in dieser Sache.

„Anonymus“ ist einfach ein gut gemachtes Historienspektakel, das die Intrigen am elisabethanischen Hof super in Szene setzt. Roland Emmerich versteht es wie kein anderer mit Effekten zu arbeiten und so ist dieser Film, nicht zuletzt durch die tolle Ausstattung, ein Augenschmaus.
Die zunächst (durch verwirrende Rückblenden) komplizierte Erzählstruktur wird nach einiger Zeit klar und dann kann sich der Kinobesucher an dem gut gemachten Historienfilm erfreuen.
Sicherlich ist dieser Film nichts für Leute, die eine detailgenaue Handlung bevorzugen, doch er ist kurzweilige Unterhaltung vor einer großartigen Kulisse.



„Nichts zu verzollen“


Der Grenzbeamte Ruben Vandervoorde macht keinen Hehl daraus: er hasst die Camemberts aus ganzem Herzen. An seinem Arbeitsplatz in dem französisch-belgischen Grenzörtchen Courquain herrscht dicke Luft, denn durch das Schengener Abkommen werden die Grenzen geöffnet. Erschwerend hinzu kommt, dass sich Rubens Schwester in einen französischen Grenzer verliebt hat und das Pärchen heiraten möchte.

"Nichts zu verzollen" von Dany Boon handelt von Vorurteilen und Klischees, so wie sein Kassenhit "Willkommen bei den Sch'tis". Doch an diesen Erfolg kann die Komödie wohl nicht anknüpfen, denn  sie ist weniger erfrischend, weniger originell. Der Film kommt sofort zur Sache, spielt mit Vorurteilen und Rassismus: Camemberts, Franzacken, Frittenfresser und Vollidioten. Belgier und Franzosen mögen sich wirklich nicht.

Dany Boon bleibt seinem Stil treu: Wie in den "Sch'tis" geht es um regionale Kulturunterschiede, Vorurteile, Dialekte und Klischees. Wieder ist Nordfrankreich der Handlungsort und wieder ist die Geschichte flott und witzig. Schade, dass sie an manchen Stellen jedoch blass wirkt und abgegriffen. Vielleicht bedient man sich aus einer Klischee-Kiste, aus der Altbekanntes zu oft schon aufgekocht wurde. Ansonsten hat der Komiker und Regisseur ein gutes Händchen bewiesen. Benoît Poelvoorde spielt hervorragend den überdrehten und militanten Belgier, auch die Nebenrollen der gutmütigen und trotteligen Schmuggler sind perfekt besetzt. Die Geschichte spielt in einem französisch-belgischen Grenzörtchen, wo die Kneipe zwischen den Schlagbäumen "No Man's Land" heißt und die Zollstationen antiquiert und verstaubt wirken. 
„Nichts zu verzollen“ ist Film, der Spass macht und zum Lachen bringt, ohne an den genialen Vorgängerfilm heranzukommen.


Wasser für die Elefanten

Es ist das Jahr 1931 und eine der schwersten Wirtschaftskrisen der Geschichte erschüttert Amerika.  Jacob Jankowski (Robert Pattinson)  bricht nach dem Tod seiner Eltern sein Studium ab. Er möchte sein altes Leben hinter sich lassen und schließt sich einem Wanderzirkus als Tierarzt an. Dort lernt er die hübsche Kunstreiterin Marlena ( Reese Witherspoon) kennen, in die er sich unsterblich verliebt. Bei der Pflege der eigensinnigen Elefantendame Rosie entdecken Jacob und Marlena ihre Gefühle für einander. Marlena ist mit dem charismatischen und zu Gewaltausbrüchen neigendem Zirkusdirektor August Rosenbluth (Christoph Waltz) verheiratet…

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Bestsellerroman der Kanadisch-Amerikanischen Autorin Sara Gruens und ist ein wirklich gelungenes Werk,  das von Anfang bis Ende zu unterhalten weiß. Christoph Waltz brilliert als unberechenbarer Zirkusdirektor und lässt die anderen Darsteller eher blass wirken. Doch der wirkliche Star des Films ist die alkoholabhängige Elefantendame Rosa.




The King's Speech

Dieses Mal gibt es keine ausführliche Filmbesprechung, sondern einfach eine Empfehlung für alle Freunde des ruhigeren Films:

The King’s Speech ist ein wirklich sehenswertes Werk. Colin Firth brilliert als König Georg VI. und auch Helena Boham Carter, als resolute Ehefrau Elisabeth überzeugt.

Der Film gewann bei der Oscarverleihung 2011 vier Auszeichnungen in den Kategorien bester Film, beste Regie, bester Hauptdarsteller und bestes Originaldrehbuch.



"Es ist mehr als die Wahrheit: Es ist Dichtung"

Goethe

Der Film erzählt die Geschichte des jungen Goethe, dessen Talent nicht erkannt wird. Sein Vater schickt ihn nach Wetzlar, um sein Jurastudium zu beenden. Dort verliebt er sich in die schöne Charlotte. Doch sie muss sich entscheiden, denn der Gerichtsrat Albert Kestner hat um ihre Hand angehalten. Schließlich trifft sie eine „vernünftige“ Entscheidung und gibt ihm das Jawort. Doch ihr Herz gehört dem leidenschaftlichen Goethe und das bleibt nicht unerkannt. So duellieren sich die Kontrahenten und Goethe kommt ins Gefängnis. Dort schreibt er sich die unerfüllte Liebe von der Seele. Das Manuskript „Die Leiden des jungen Werther“ schickt er an Charlotte.
Natürlich kommt es darauf an, mit welchen Erwartungen man sich das Werk anschaut, denn wenn man eine historisch korrekte, fundierte Biografie des Dichters sehen will, so ist man hier fehl am Platze? Doch lässt man sich auf den Film ein, so ist „Goethe“ ein wunderschöner Liebesfilm, der mit bildhafter Sprache und schönen Kostümen hantiert. Den Anspruch der historischen Authentizität hat der Film gar nicht. Einige Dinge sind dem Rahmen nach korrekt, so der Aufenthalt Goethes in Wetzlar und die Liebe zu Charlotte. Andere wiederum wurden frei erfunden. Vieles bleibt Anspielung. Letztlich erzählt der Film die Geschichte des jungen Werthers, mit Goethe selbst als verzweifeltem Liebhaber. Doch ganz so tragisch, wie das Schicksal des literarischen Werthers ist das Ende nicht.
Fazit: In diesem Film erlebt das Publikum einen jungen, stürmischen, so ganz und gar nicht verstaubten Goethe. Einen, der die einfachste Geschichte der Welt erlebt: die der unerfüllten Liebe.
Doch was wenn Wolfgang und Charlotte geheiratet hätten? Es ist müßig darüber zu sinnieren, denn wie sagt Charlotte am Schluss so treffend:

„Es ist mehr als Wahrheit: Es ist Dichtung!“





Hier ein etwas älterer, aber sehr sehenswerter Film

Chloe

Die Ärztin Catherine (Julianne Moore) und der Musikprofessor David (Liam Neeson) führen vordergründig eine glückliche Ehe. Catherine bereitet, an Davids Geburtstag, eine Überraschungsparty vor, doch er kommt nicht nach Hause, schieb vor, seinen Flug verpasst zu haben. Durch Zufall sieht Catherine eine verräterische SMS „Danke für die tolle Nacht“.. Sie hat die Vermutung, dass David sie betrügt und so setzt sie das Callgirl Chloe (Amanda Seyfried) auf ihn an. Als Chloe ihr erste Erfolge präsentiert, will Catherine das Spiel beenden. Doch die Geschehnisse geraten völlig aus dem Ruder.
Was eigentlich simpel klingt, ist ein gut gemachter Thriller mit einer perfekten Besetzung. Während Moore fantastisch in ihre Rolle der erfolgreichen, aber privat unzufriedenen und auch unsicheren Frau schlüpft, verkörpert Seyfried das junge, verführerische Callgirl mit einer Leichtigkeit, als hätte sie nie etwas anderes getan.So schaffen es die beiden Frauen, diesen Thriller mit teils subtiler Erotik zu füllen, was ihn allein schon sehenswert macht. Doch auch Liam Neeson schafft es, seine Rolle mit lockerem Charme zu füllen. Wer sich von der Atmosphäre des Film mitreißen lässt, kommt ganz und gar auf seine Kosten. Ein intrigantes Katz- und Mausspiel, Liebe zum Detail, eine unglaublich dichte Atmosphäre, hervorragende und mehr als glaubhafte Darsteller – das sollte Männern und Frauen gefallen. Wobei davon auszugehen ist, dass die Herren der Schöpfung sich wohl eher vom erotischen Teil des Filmes angezogen fühlen, während die Damenwelt sich mehr für den subtilen Part interessiert….

Es handelt sich um eine Neuverfilmung des französischen Films Nathalie aus dem Jahr 2003.

Wall Street

Geld schläft nicht

Gordon Gekko (gespielt von dem fabelhaften Michael Douglas) ist wieder da. Nachdem er eine langjährige Gefängnisstrafe wegen diverser Devisenvergehen abgesessen hat, versucht er sich als Autor. Scheinbar geläutert begibt er sich auf einen Kreuzzug, indem er auf einer Lesereise die Bevölkerung vor der Gier und Skrupellosigkeit der Finanzwelt warnt. Seine Tochter hat sich völlig abgeschottet, will nichts mehr mit ihm zu tun haben. So nimmt der Schwiegersohn in spe, Jake, hinter ihrem Rücken Kontakt mit Gekko auf. Selbst Investmentbanker muss er erleben, wie das Unternehmen seines Arbeitgebers und Ziehvaters in den Ruin getrieben wird. Jake und Gekko machen einen Deal…

So weit, so gut. Doch was ein richtig guter Film über die üblen Machenschaften in Bankerkreisen hätte werden könne, entpuppt sich rasch als ein typisches Hollywood-heile-Welt-Machwerk. All zu plakativ prangert Oliver Stone die Gier und den Machthunger des Wall Street Establishments an. Der anständige Bankertyp (o ja, es gibt scheinbar auch gute Banker) ist so anständig, dass er sich nach dem Verlust seiner Firma vor die U-Bahn wirft. Im Gegensatz dazu sind die bösen Banker wirklich teuflisch. Es gibt keine Zwischentöne.
Die zwischenmenschlichen Konflikte der Figuren wirken aufgesetzt und öde. Wenn Gordon Gekko am Ende im Minutentakt zwischen reumütigem Vater und ausgebufftem Börsen-Guru hin- und herwechselt, ist das zwar toll gespielt, aber völlig unglaubwürdig. Die fabelhaften Darsteller können das abstruse Drehbuch nicht retten.
Schade, hier ist eine gute Idee völlig unter gegangen. Die Entscheidung, den ersten Wall Street Film nach 23 Jahren mit einer Fortsetzung zu aktualisieren, scheint angesichts der Weltwirtschaftskrise nachvollziehbar. Mit „Wall Street – Geld schläft nicht“ tut sich Stone, der im Gegensatz zum ersten Teil nicht selbst das Drehbuch verfasste, jedoch keinen Gefallen: Die typische Fortsetzung ist ein billiger Versuch, den Mythos des Originals an der Kinokasse in klingende Münze umzusetzen. Das Motiv? Wahrscheinlich Gier.


The Expendables

Die unlimative Action-Unterhaltung der Achtziger ist zurück: Sylvester Stallone, Jason Stantham, Jet Li, Dolph Lundgren, Bruce Willis, Mickey Rouke und Arnald Schwarzenegger. diese Namen garantieren kurzweilige Unterhaltung und jede Menge zerbrochenes Geschirr (und nicht nur das).
„The Expendables", so nennt sich eine knallharte Söldnergruppe unter der Leitung von Barney Ross (Sylvester Stallone). Die Truppe löst gegen die richtige Menge Cash Probleme wie Geiselnahmen in Somalia. Der mysteriöse Mr. Church erteilt dem Team den Auftrag, den Diktator  eines südamerikanischen Inselstaates zu stürzen. Obwohl sich der Job schnell als ein Himmelfahrtskommando entpuppt, das sogar Ross' größter Konkurrent (Arnold Schwarzenegger) nicht übernehmen wollte, sagt der alternde Söldner zu...

Sylvester Stallone wurde in den vergangenen Jahren nicht müde zu betonen, wie sehr er computergenerierte Action verabscheut und hier ist ein Actionfilm entstanden, der auf die gute alte Art und Weise gemacht ist.
Stallone baut auf  Team-Work, für die er einen Haufen gleichgesinnter Action-Haudegen um sich geschart hat. Alte Weggefährten wie Dolph Lundgren sind ebenso mit von der Partie wie einige Konkurrenten aus den goldenen Achtzigern wie Bruce Willis und Arnold Schwarzenegger. Dazu kommen die Haudrauf-Wrestler Randy Couture und Steve Austin sowie die modernen Action-Heroen Jason Statham und Jet Li, Künstler der Körperbeherrschung, die wie Stallone am liebsten ohne Netz und doppelten Boden arbeiten. Für diesen war es die schwierigste Aufgabe, all diese Alphatiere unter einen Hut zu bringen und jedem seine eigene große Actionszene zu bescheren, auch um die jeweiligen Fangruppen zufriedenzustellen. Das ist ihm recht gut gelungen. Alle werden mit kurzen Szenen prägnant etabliert und jeder hat mindestens einen spaßigen Auftritt, auch wenn einige dabei natürlich mehr herausstechen als andere. Der vieldiskutierte gemeinsame Auftritt von Sly, Arnold Schwarzenegger und Bruce Willis macht  Spass.  Wenn der heutige Gouverneur von Kalifornien im Gegenlicht mit einem Terminator-Zitat den Schauplatz betritt, ist das einfach klasse. Der anschließende Dialog ist für die Handlung belanglos, aber die andauernde Frotzelei und Neckerei zwischen Schwarzenegger und Stallone macht trotzdem Spaß. Es ist, als ob sich die beiden legendären Stars zufällig privat getroffen hätten, denn ihre konkreten Rollen treten hier komplett in den Hintergrund.
Zugegeben, die Handlung ist mehr als dünn, es wird auf Teufel komm raus geballert und sonstwie gemetzelt. Aber der Film hat Cultcarakter, will unterhalten, nicht mehr und nicht weniger. Das gelingt auf kurzweilige Art. Der Streifen schwelgt in den politisch unkorrekten Mustern der Achtziger-Jahre-Vorbilder, die Helden sind „richtige", sprich heterosexuelle, Männer sind. Wie damals haben auch hier die Frauen immer ultralange Beine und erstrahlen schutzbedürftig im Licht. In dieser Welt spielen Laptops und Handys keine Rolle, selbst Rap-Musik ist tabu, denn die Beschallung stammt von Creedence Clearwater Revival, Herz was willst du mehr.
Aber das Wichtigste ist natürlich, dass Konflikte mit den Fäusten oder mit Schuss- und Stichwaffen gelöst werden, die nur eins sein müssen: möglichst groß!




Sex and the City 2

Zwei Jahre nach der Traumhochzeit mit Hindernissen: Der Ehealltag ist eingetreten. Mr. Big macht es sich auf dem Sofa bequem und statt auszugehen schaufelt er Tütenessen vom Chinesen an der Ecke. Als Carrie zum Hochzeitstag auch noch einen Flatscreen von ihm bekommt, gerät die Ehe in eine Krise...
Mirinda hat Probleme im Job: Ein Seniorpartner ihrer Kanzlei mobt sie offensichtlich. So kündigt sie Hals über Kopf und ist kurzfristig arbeitslos.
Charlotte beobachtet misstrauisch, wie ihre hübsche Nanny nicht nur die Kinder, sondern auch ihren Mann betreut, der sich das gern gefallen lässt.
 Ganz relaxt wieder im Singleleben angekommen ist Samantha, die mit ihren Freundinnen zum Urlaub in Abu Dhabi eingeladen wird. Dort darf sie in Luxus schwelgen, muss aber ihr zweites Hobby, Sex, deutlich defensiver betreiben.
Da sind sie also wieder, die vier Freundinnen und ihre Luxusprobleme. Wer hier einen "ernsthaften" Film erwartet, ist völlig fehl am (Kino)Platz.
Den Anfang macht eine Hochzeit von Carries und Charlottes besten männerliebenden Freunden, auf der Gaststar Liza Minnelli mit einem Cover von "Single Ladies" selbstironisch kommentiert, wohin Beyoncés Aufforderung "Put a Ring On It" sie letztlich geführt hat. Samantha, als Einzige wieder Single, fürchtet die hormonellen Auswirkungen der Menopause und schluckt Pillen ohne Ende. Anwältin Miranda hat ihre Ehe im Griff und übernimmt die ungewohnte Rolle als unkomplizierte Spaßbringerin. Charlotte fühlt ihre eigenen Bedürfnisse durch die Konzentration auf ihre beiden Kinder völlig ausgeblendet und verfolgt misstrauisch, ob ihr bisher treuer Ehemann bei der neuen appetitlich gebauten Nanny zum Opfer fällt. Carrie schließlich, die zentrale Stimme der ehemaligen Single Ladies, ist beunruhigt, dass in ihrer Ehe Reiz von Routine abgelöst wird.
Helen Reddys Hit "I'm Woman", den die Mädels bei einer Karaokeveranstaltung vortragen, ist programmatisch für die gut einstündige Expedition in die Emirate. Zugegeben: Hier nimmt der Film, der in der Powerbindung der Fashion Four seine stärkste Waffe hat und seinen Wortwitz wie gewohnt auch mit einer Fülle von zweideutigen Dialogen entwickelt, einen recht naiven Konfrontationskurs mit den Sitten des arabischen Staates auf. Verschleierte Frauen, die unter der Burka gestylt sind, als ob sie auf der Fifth Avenue flanieren wollen...das ist starker Tobak, aber wenn frau den Film als einen netten, unkomplizierten Spass versteht, so kommt sie voll auf ihre Kosten.
Ach noch etwas: Ein Kino voller Frauen (von den zwei offensichtlich falsch orientierten Männern mal abgesehen) - das allein ist einfach klasse!!
 

Vergebung

'Loftslottet som sprängdes'


Nicht umsonst ist die Übersetzung des Originaltitels "Das Luftschloss, welches gesprengt wird"...

Die Verfilmung des dritten Romans der Millenium-Trilogie von Stig Larsson ist wieder sehr gelungen und beginnt mit dem Ende des zweiten Teils:

Nach dem gewaltsamen Zusammentreffen mit ihrem Vater Alexander Zalatschenko liegt Lisbeth Salander schwer verletzt im Krankenhaus. Auch Zalatschenko hat die Auseinandersetzung überlebt und liegt einige Zimmer weiter.
Durch den Vorfall aufgescheucht treffen sich ehemalige und noch tätige Mitarbeiter einer geheimen Organisation des schwedischen Geheimdienstes (Sipo)und planen die weitere Vorgehensweise. Ein ehemaliger, bereits pensionierte und an Krebs erkrankte Mitarbeiter löst das Problem auf seine Weise: Er tötet Zalatschenko mit Kopfschüssen und bringt sich danach selbst um.
Mikael Blomquist ist währenddessen nicht untätig. Er sorgt dafür, dass Lisbeth durch seine Schwester, die Anwältin ist, vertreten wird. Auch verschafft er Lisbeth ihren Minicomputer, so dass sie ihre Verteidigung selbst mit aufbauen kann.
Lisbeth wird diverser Verbrechen angeklagt: Mordversuch, Einbruchsdiebstahl, illegaler Waffenbesitz.
Die SiPo macht gemeinsame Sache mit Lisbeths ehemaligem psychologischem Arzt, Dr. Teleborian, um sie wieder in die psychiatrische Anstalt zu stecken.


Die Handlung des Films "Vergebung" ist, im Gegensatz zu seinen Vorgängern, noch weiter gestrafft und das tut dem Werk gut. Gerade im letzten Teil der Trillogie verzettelt sich der Autor zuweilen und beschreibt wirklich alle Details, seien es die Strukturen des Geheimdienstest, oder das Mittagessen der Protagonisten. Gerade die Figur der Chefredakteurin ist auf ein Minimum reduziert.
Anders als in den spektakulären und actionreichen beiden Vorgängerfilmen ist "Vergebung" über weite Strecken ein spannender Gerichtsthriller, obwohl im Hintergrund der kriminelle Verschwörungsplot voranschreitet. Natürlich werden die Schurken gerichtet - wobei eine elektrische Nagelpistole Lisbeth wertvolle Dienste leistet. Der Millennium-Showdown ist ein wirklicher Genuss und lässt nichts zu wünschen übrig.

Fazit: Spannende Mischung aus Gerichtsdrama und Polit-Verschwörungsthriller und einmal mehr ein Beispiel für gutes europäisches Kino - weit weg von allen Hollywood Schmonzetten.


Russel Crowe

als

Robin Hood

Robin Longstride ist Bogenschütze im Heer von Richard Löwenherz, bis ihm der Tod des Königs und seines Vertrauten Robert Loxley eine neue Bestimmung zuweist. Um die Krone nach England bringen und Loxleys letzten Wunsch erfüllen zu können, nimmt Longstride die Identität Loxleys an. Auf Wunsch ihres Schwiegervaters lässt Loxleys Witwe, Lady Marion, Longstride das Erbe ihres Mannes antreten. So wird aus einem einfachen Mann ein Held, der Marians Leben und das eigene verändern und England im Kampf gegen französische Invasoren einen wird.

 In dieser Fassung des bekannten Stoffes bekommen die meisten Figuren eine völlig neue Entwicklungsgeschichte zugewiesen.
Während der Sheriff von Nottingham eine eher kurze Rolle hat,  spielen andere vertraute Figuren eine zentrale Rolle. Marion ist hier die Frau eines seit 10 Jahren weit entfernt von der Heimat kämpfenden Kreuzritters.
Robin ein einfacher, dank Russell Crowes gereifter Lebenserfahrung mehrdeutig mittelalterlicher Bogenschütze, der Richard Löwenherz auf seinem dritten Kreuzzug begleitete. Scotts Film lebt vom Charisma seiner Stars und von Cate Blanchetts gewohnt filigraner Darstellung.
 Die fünfte Zusammenarbeit von Ridley Scott und Russell Crowe ist als Leben hinter der Legende zu verstehen. Nach einer von Action dominierten ersten halben Stunde kommt der Film zur Ruhe, arbeitet das Klima von Hunger und Armut im englischen Volk und die Ignoranz und Arroganz des Königs gut heraus., Lässt Robin und Marion verhalten zu einander finden und endet schließlich in der Strand-Schlacht zwischen Engländern und Invasoren eindrucksvoll.
Scott versucht die historischen Ereignisse wenigstens in groben Zügen in den Film einfließen zu lassen und das ist wirklich sehenswert.

Ein empfehlenswerter Film, für alle Fans des historischen Abenteuerfilms.

James Camerons

Avatar – Aufbruch nach Pandora

2154…Die Erde ist ökologisch am Ende. Die Ausbeutung der Rohstoffe hat sich auf fremde Welten verlagert. Auf Pandora gibt es riesige Vorkommen eines besonders wertvollen Rohstoffes. Doch die Bewohner dieses Planeten möchten einfach in Ruhe gelassen werden. Sie, die im Einklang mit der Natur lebe, wollen vom menschlichen Größenwahn nichts wissen. In einem groß angelegten Projekt sollen die Na’vi umgesiedelt, oder vernichtet werden. Allerdings gibt es eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern, die den Kontakt mit den Ureinwohnern pflegen. Mit Hilfe von gentechnisch hergestellten Avataren, die mittels Telepathie kontrolliert werden soll es zum Kontakt kommen. Der querschnittsgelähmte Ex-Marines Sully soll das Vertrauen der Na’vi gewinnen. Er verliebt sich und entdeckt, dass die Kultur dieser angeblichen Wilden unglaublich hoch entwickelt ist.

Wieder einmal ist es James Cameron gelungen, Filmgeschichte zu schreiben. Avatar ist bis dato der teuerste Film aller Zeiten und diese Investition hat sich gelohnt. Die Bilder sind unglaublich schön und von einer bis jetzt nicht da gewesenen Intensität. Der Zuschauer kann sich in der Magie dieses modernen Märchens verlieren.

Gut, die Handlung ist vorhersehbar, die Dialoge zuweilen platt. Ex Marines liebt edle Wilde und rettet den Stamm vor der Vernichtung…alles wird gut…

Mainstream orientiertes Popcornkino – vielleicht. Doch die Magie der Bilder entschädigt und es ist eigentlich gar nicht so wichtig, dass die Story zu wünschen übrig lässt….alles wird gut…

 


Das weiße Band

Ein Dorflehrer erinnert sich

Wir schreiben das Jahr 1913, irgendwo in Norddeutschland liegt das kleine Dorf Eichwald. Auf den ersten Blick ist die Dorfgemeinschaft intakt. Der Baron, Herr des Ganzen, gibt den Leuten Arbeit und Brot. Der Arzt kümmert sich hingebungsvoll um die Kranken und der Pastor ist bemüht, den Kindern Anstand beizubringen.
Plötzlich geschehen mysteriöse Dinge. Ein dünnes, zwischen zwei Bäumen gespanntes Seil bringt den heimkehrenden Arzt mit seinem Pferd zu fall. Wenig später kommt eine Bauersfrau im Sägewerk ums Leben. Sie musste eine Arbeit tun, die sie völlig überforderte und ihr ältester Sohn gibt dem Baron die Schuld. Er verwüstet am Erntedankfest den Gemüsegarten seines Herrn. Am selben Abend wird der kleine Sohn des Barons entführt und später schwer misshandelt aufgefunden. Doch erst als der behinderte Sohn der Hebamme lebensgefährlich verletzt wird, schaltet man die Polizei ein.
Nach und nach bröckelt die Fassade. Es wird klar, dass die Dorfhonoratioren keine Wohltäter sind. Der Baron verachtet seine Leute und sieht in ihnen lediglich „Arbeitsmaterial“. Der Arzt demütigt die von ihm abhängige Hebamme und vergeht sich an seiner Tochter. Der sittenstrenge Pastor schließlich scheut nicht davor zurück, die eigenen Kinder permanent zu bespitzeln und zu maßregeln. Für die geringfügigsten Vergehen werden die Kinder gezwungen, über Wochen ein weißes Band zu tragen – als Zeichen ihrer Schuld.

Zunächst erst einmal: Dieser Film hat alle Auszeichnungen völlig zu Recht bekommen, denn er ist ein Meisterwerk. Sicherlich kein „schöner“ Film, aber einer mit Langzeitwirkung.
Mit bedrückenden, schwarz-weißen Bildern wird die Geschichte des kleinen, bestimmt ganz normalen Dorfes kurz vor dem ersten Weltkrieg erzählt. Nicht immer ist es leicht, die einzelnen Handlungsstränge nachzuvollziehen, denn die menschlichen und gesellschaftlichen Zusammenhänge sind unentwirrbar miteinander verwoben. Hier der Baron, von dem alle abhängen sind und dem sich niemand offen zu widersetzen traut. Dort die bäuerliche Familie, die ohne Arbeit auf dem Gut verhungern würde. Offene und versteckte Gewalt ist an der Tagesordnung und gerade der so fromme und sittenstrenge Pastor drangsaliert seine und die ihm anvertrauten Kinder auf unerhörte Weise.

Diese Gewalt ist Hauptthema des Filmes und der Zuschauer ist dem Horror völlig hilflos ausgeliefert. Obwohl es im ganzen Film nicht eine „bedenkliche“ Szene gibt, ist ganz klar, dass hier gerade junge Menschen gebrochen werden.
So erstaunt die Auflösung , welche allerdings nur angedeutet wird, in keinster Weise.

Neben der grandiosen schauspielerischen Leistung der Kinder und des Lehrer-Hauptdarstellers, ist die Kameraführung bemerkenswert. Denn markante Nah- und Porträtaufnahmen wechseln mit Weichzeichner-Einstellungen, kaum erkennbaren Bildern und authentischen Bauwerkaufnahmen ab. Daneben gelingt es in dem Film, dramatische Sequenzen und äußerst ruhige Momente miteinander zu vereinen.

Fazit: Ein toller, wenn auch bedrückender Film.


Mel Gibson

in

Auftrag Rache

Wie der Triller „State of Play“ basiert auch dieser Film auf einer BBC Serie aus den Achtzigern, ist super gut umgesetzt und Mel Gibson wie auf den Leib geschneidert.
Der einzige Minuspunkt ist der deutsche Titel, denn im Original heißt der Film treffend „Edge of Darkness“ und das ist sehr viel treffender.
Thomas Craven ist ein unbescholtener Detective. Seine Tochter Emma besucht ihn und fühlt sich offensichtlich nicht wohl; scheinbar hat sie sich einen Virus zugezogen. Als der besorgte Vater mit seiner Tochter zum Krankenhaus fahren will, wird sie vor seinen Augen erschossen.
Zunächst wird vermutet, dass Emma an Stelle ihres Vaters ermordet wurde, doch so nach und nach stellt sich heraus, dass der Anschlag ihr galt. Emma, die als Physikerin bei einer angesehenen Firma arbeitet, hat schnell heraus gefunden, dass es dort nicht mit rechten Dingen zugeht.
Thomas Craven ermittelt und stößt schnell auf ein Schlangennest….

Die Rolle ist, wie Eingangs erwähnt, wie für  Mel Gibson gemacht. Auch wenn er deutlich gealtert ist, so blitzt seine jugendliche Lässigkeit ab und zu in seinem Lächeln auf. Die Figur des trauernden Vaters ist ruhig und besonnen angelegt. Immer wieder gibt es Zwiegespräche mit seiner toten Tochter und auch Rückblenden. So kommt man der Geschichte Schritt für Schritt näher, lernt Emma besser kennen und versteht ihr Verhalten – und das ihres Vaters.
Doch auch die Action kommt nicht zu kurz. Doch wo so mancher „Hero“ mühelos unzählige Gegner überwältigt, ohne aus der Puste zu kommen, sieht man Gibson die Anstrengung so mancher Prügelei an. Auch das ist realitätsbezogen und kommt richtig gut an. Nichts wirkt lächerlich, alles ist gut durchdacht und super in Szene gesetzt.

Fazit: dieser Thriller ist ein gelungenes Drama, spannend, abwechselungsreich und kritisch. Dieser Film bringt Mel Gibson gekonnt wieder auf die Leinwand zurück!

 

Stig Larsson

Verdammnis

Flickan som lekte med elden


Da ist er also, der langerwartete zweite Teil der "Millennium-Trilogie".
Der Originaltitel von Buch und Film ist wesentlich treffender "Das Mädchen, das mit dem Feuer spielt"!!!

Diesmal geht es um den Mord an einem jungen Journalistenpaar, das einen großen Skandal mit Mädchenhandel und Prostitution aufgedeckt hat. Erstaunlichweise soll Lisbeth Salander die Morde begangen haben, die jedoch selbst jahrelang ein Opfer der schwedischen Justiz war. Und so vertraut die geniale Computerhackerin auch nur sich selbst und versucht den Fall allein zu lösen. Hilfe bekommt Lisbeth vom Journalisten Mikael Blomkvist.

Schon im ersten Teil "Verblendung" hat sich der Film eng an die Romanvorlage gehalten und das hat sich auch jetzt bewährt. Nun gut, der Film kann und muss eine deutlich abgespeckte Version des Romans sein, denn zu viele Nebenschauplätze verwirren. So ist zum Beispiel Lisbeths längerer Auslandsaufenthalt nur kurz angerissen. Doch ansonsten ist alles vorhanden, so dass sowohl der gespannte Leser, als auch der unvoreingenommene Kinogänger voll auf seine Kosten kommt.
Hinzu kommt die perfekte schauspielerische Leistung! Noomi Rapace IST Lisbeth Salander und auch Michael Nyquist kommt als der perfekte Micke Blomkvist daher.
Auch der schmerzlose blonde Roland Niedermann ist perfekt besetzt.
Die Story fesselt und wird spannend rüber gebracht. Ich freue mich auf den letzten Teil der Trilogie, der Mitte des Jahres in die Kinos kommt.

Fazit: Ein toller, spannender Krimi, nicht nur für Stig Larsson Fans!


Guy Ritchies

Sherlock Holmes

London im Jahre 1890: Im letzten Moment gelingt es Sherlock Holmes (Robert Downey Jr.) und seinem Assistenten Dr. Watson (Jude Law), einen Ritualmord an einer jungen Frau zu verhindern. Der satanistische Bösewicht Lord Blackwood, wird verhaftet und zum Tod durch den Strang verurteilt. Und obwohl sich Watson selbst vom Tod des Schurken überzeugt, scheint der auf rätselhafte Weise wiederauferstanden zu sein. Während die britische Hauptstadt in Hysterie und Aberglauben verfällt, begibt sich der streng logisch denkende Holmes auf die Spur des finsteren Magiers und stößt bald auf eine Verschwörung ungeheuren Ausmaßes. Nebenbei muss Holmes gegen ganz andere Gespenster ankämpfen: Denn Dr. Watson ist wild entschlossen, die liebreizende Mary zu ehelichen, was das enge Verhältnis zwischen ihm und seinem Partner im Geiste empfindlich stört. Zum anderen taucht plötzlich auch noch Irene auf, eine ebenso schöne wie durchtriebene Frau, die Holmes einst eine empfindliche Niederlage beibrachte und in die er nach wie vor verliebt ist. Es beginnt eine atemlose Jagd durch ganz London nach der Wahrheit in einem verwirrenden Labyrinth aus Okkultismus, Verschwörungen und Intrigen...

Mit sichtlich großem Aufwand versucht Guy Ritchie, den etwas angestaubten literarischen Helden Sherlock Holmes zumindest filmtechnisch ins 21. Jahrhundert zu setzen. Das Ergebnis ist zwiespältig geraten. Einerseits ist der Film ein Spektakel, das Spass macht und unterhält, andererseits hat das Werk nicht all zu viel mit der literarischen Vorlage gemein.
Die Hauptdarsteller Robert Downey Jr. als Holmes und Jude Law als Doc Watson überzeugen und kommen als wahrhaft dynamisches Duo daher. Da macht das Zuschauen Spass und hilft über die zuweilen etwas unlogische Story hinweg.
Fazit:
Wer Spaß an Action im historischen Gewand ohne allzu viel Anspruch hat, der dürfte sich in Guy Ritchies Film gut unterhalten fühlen. Und ich denke nicht mehr und nicht weniger ist Sinn der Sache. Fans des wahren Holmes aber geht das bombastische Spektakel mit ziemlicher Sicherheit schnell auf die Nerven. Zumal zum Ende des Filmes klar wird, dass schon bald ein zweiter Teil folgen wird.


Stieg Larssons

Verblendung

"Män som hatar kvinnor"

Darauf haben mehr als zwei Millionen Leser gewartet: Die Verfilmung des Bestsellers "Verblendung", einem schwedischer Thriller der Extraklasse. 

Mikael Blomkvists Spezialität ist die Aufdeckung von Wirtschaftsskandalen. Ein Industrieller, dem er in der Zeitschrift "Millennium" betrügerische Waffengeschäfte unterstellt, kann diese zurückweisen und verklagt Mikael.  Blomkvist wird als Rufmörder verurteilt. Er gibt den Job bei "Millennium" auf.
 Fast Zeitgleich bekommt er ein Angebot von dem Großindustriellen Henrik Vanger. Dieser erhält seit Jahren zum Geburtstag das gleiche Geschenk: gepresste Blumen hinter Glas. Vanger ist überzeugt, dass die Pflanzen ein Lebenszeichen seiner vor Jahren verschwundenen Nichte Harriet sind. Blomkvist soll Harriet suchen. Ein aussichtsloses Vorhaben, denn die Polizei hat den Fall längst abgeschlossen.
Jetzt kommt Lisbeth Salander (gespielt von der beeindruckenden Noomi Rapace),eine Mischung aus Punk-Göre, gestörter Persönlichkeit und empfindsamer Frau ins Spiel. Lisbeths Spezialität sind ihre unglaublichen Fähigkeiten am Computer. Sie hat für Vangar über Blomkvist recherchiert und interessiert sich für ihn. Als Blomkvist eine Assistentin für seine Recherchen sucht und in Lisbeth findet, ist das die Geburtsstunde des ungewöhnlichsten Ermittlerduos der Krimigeschichte.

Verfilmung eines Bestsellers - das ist immer so eine Sache. In diesem Fall ist das Werk mehr als gelungen. Der Film zieht das Publikum sofort in seinen Bann und auch wer das Buch nicht gelesen hat ist sofort mitten im Geschehen. Regisseur Niels Arden Oplev, gelingt mit "Verblendung" ein hochklassiger Thriller auf internationalem Niveau. Grau, trüb und regennass, so präsentiert sich der Schauplatz Schweden in dem zweieinhalbstündigen Thriller. Der Film wirft einen ungeschminkten Blick in grausamste menschliche Abgründe. Mit schwer zu ertragenden Szenen, die es in puncto Drastik durchaus mit dem Film "Das Schweigen der Lämmer" aufnehmen können.

Ich freue mich auf die Verfilmungen von "Verdammnis" und "Vergebung". Allerdings muss ich den dritten Teil der "Millennium Trilogie" noch lesen. Der Roman ganz oben auf meiner Liste.

Fazit: Unbedingt ansehen!!!



State Of Play - Stand der Dinge

Russel Crowe, Ben Affleck, Helen Mirren, Rachel McAdams, diese Namen versprechen, jeder für sich schon eine gute Unterhaltung.
ABER...
kann eine sechsteilige englische Miniserie ohne weiteres auf US Verhältnisse übertragen werden und auf Spielfilmlänge zusammenschrumpfen? Durchaus, Kevin Macdonald, seit seinem oscarprämierten Drama 'Der letzte König von Schottland' (ein etwas älterer, aber unbedingt sehenswerter Film) in Hollywood hoch gehandelt, beweist uns dieses. "State Of Play" ist ein packendes Politdrama und erinnert an die guten alten Filme, in denen die Presse noch ehrlich und gradlinig recherchiert hat - und so manchen Skandal aufdeckte...

Ein schwarzer Kleinganove wird von einem Unbekannten erschossen. Als kurze Zeit später die Fachreferentin des politischen Hoffnungsträgers Stephen Collins (Ben Affleck) vor einen Zug gestoßen wird, gerät dieser in die Schlagzeilen. Einen Zusammenhang zwischen beiden Todesfällen vermutet niemand.

Der Starreporter des Washington Globe, Cal McAffrey (Russell Crowe), wird von seiner Chefredakteurin auf seinen alten Freund Collins angesetzt. Er ist hin- und hergerissen zwischen der persönlichen Verbundenheit mit dem Politiker und dessen Frau Anne, mit der er ein Verhältnis hatte, sowie seinem professionellen Wissensdurst. Der Reporter macht sich zusammen mit der Online-Journalistin Della Frye  an die Recherche. Die Zusammenarbeit fällt den beiden zunächst nicht leicht. Doch ihre unterschiedliche Berufsauffassung ist bald ihr kleinstes Problem. Der Fall nimmt viel größere Ausmaße an, als zunächst vermutet und McAffrey  muss sich entscheiden.

Ein Klasse Film, unbedingt sehenswert!


Dustin Hoffman und Emma Thompson

Last Chance Harvey

“I missed my plane, I lost my job, and my daughter, who is getting married today, decided she wanted her stepfather, rather than me, to give her away.”

In “Last Chance Harvey” hat Dustin Hoffman endlich wieder die Gelegenheit, eine Rolle mit mehr Tiefe zu füllen als bei den üblichen leicht trottelig-komischen Figuren, die er in den letzten Jahren hauptsächlich gespielt hat.

Harvey Shine ist auf den ersten Blick eine tragische Figur. Seine Frau hat ihn vor langer Zeit verlassen, sein Job steht auf der Kippe, und zur Hochzeit seiner Tochter soll nicht er, sondern der Stiefvater die Braut zum Altar führen. Er nutzt den Trip zur Hochzeit nach London, um seinem Leben eine neue Richtung zu geben, spätestens als er die alleinstehende Flughafenangestellte Kate  kennenlernt, und mit charmanter Aufdringlichkeit für sich gewinnt. Kate hingegen hat schon so viele Enttäuschungen erlebt, dass sie sich aus Angst vor weiteren Enttäuschungen Harveys Avancen nur langsam öffnet.

Die Geschichte braucht etwas Zeit. Harveys und Kates Leben wird zunächst unabhängig voneinander erzählt und die Beiden laufen sich immer mal wieder unbewußt über den Weg.

Regisseur und Drehbuchautor Joel Hopkins vermeidet allzu platte Klischees. Der Film wird getragen von den erstklassigen Hauptdarstellern. Es macht es Spaß, diesen beiden großartigen Schauspielern zuzuschauen.

Ansonsten bestimmen schön ausgeleuchtete Bilder vor Londoner Postkartenmotiven die Szenen. Die mit ruhigem Soundtrack unterlegten nächtlichen Wanderungen der beiden Protagonisten durch die Großstadt erinnern stellenweise an Lost in Translation, auch wenn der Skurrilitätsfaktor von London im Vergleich zu Tokio eher begrenzt ist. Die feine Gratwanderung zwischen leichter Romantic Comedy gefühlsschwerem Drama ist unglaublich gut gelungen.




John Rabe

„Der gute Deutsche von Nanjing"

 

1937 in Nanking, der Hauptstadt von China. Seit vielen Jahren leitet John Rabe (Ulrich Tukur) hier die deutsche Siemens-Niederlassung. Gerade als er nach Berlin zurück beordert wird, bombardieren japanische Kampfflugzeuge die Stadt. Panisch fliehen die Einwohner auf das Firmengelände. Rabe lässt eine riese Hakenkreuzfahre aufspannen und rettet so die Hilfesuchenden. Später richtet er, zusammen mit den in der Stadt gebliebenen Ausländern eine Sicherheitszone ein und rettet so ca. 250 000 Menschen das Leben, während die japanische Besatzungstruppe im besetzten Nanjing mit ungeahnter Brutalität gegen die Zivilbevölkerung vorgeht.

Ein eindrucksvoller und spannender Film, der eine weitgehend unbekannte Geschichte erzählt. Ulrich Tukur überzeugt als John Rabe, der, eigentlich ein überzeugter Nationalsozialist ist und  im entscheidenden Moment über sich hinauswächst. Denn wichtig ist in dieser Situation nur noch die Menschlichkeit, nicht die Gesinnung. Der Film ist eine packende Story über Mut und Moral – ein Stück großes Kino aus Deutschland. Spannend auch die in den Film integrierten Originalaufnahmen.

 

Übrigens: Der Film endet halbwegs glücklich für John Rabe, sein Leben verlief aber tragisch. Nachdem er im Februar 1938 auf Anordnung von Siemens Nanjing verlassen hatte, machte er durch Vorträge auf die japanischen Kriegsverbrechen aufmerksam und wurde von der Gestapo verhaftet. In den Jahren 1945 bis 1946 lebte er mit seiner Familie in Berlin. Sie machten eine schwere Zeit durch, während der sie fast verhungert wären. Rabes Gesuch auf Entnazifizierung wurde zunächst von den Briten zurückgewiesen. Grund war die Tatsache, dass Rabe Mitglied der NSDAP war. Erst 1946 wurde Rabe entnazifiziert und konnte weiter für Siemens als Übersetzer arbeiten – eine verantwortungsvolle Position wurde ihm nicht wieder übertragen. Verarmt starb Rabe am 5. Januar 1950 in Berlin.

 

 

 

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